Kreuzlingen, 9.11.2018

Pressemitteilung


Integration dank Arbeit (IdA)

Die Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau (AGATHU) hat gemeinsam mit Wirtschaftsvertretern ein neues Projekt ins Leben gerufen. Für Wirtschaftsvertreter war es bis anhin ein Ding der Unmöglichkeit Geflüchtete überhaupt als potenzielle Arbeitskräfte zu erkennen. Das ist nun möglich. Auf der Internet-Plattform ida.agathu.ch stellen sich Flüchtlinge vor, die Arbeit suchen. Davon können am Schluss Geflüchtete, Arbeitgeber, Gemeinden und letztlich Steuerzahler profitieren. Die Verbände von Industrie und Gewerbe stehen hinter der neuen Initiative.

Fadi Yousif lebt seit fünf Jahren mit seiner Familie im Thurgau. Er hat eine Vollzeitanstellung bei der Versandapotheke Zur Rose bekommen. Die Gemeinde bezahlt ihm den Kurs, der dafür nötig ist, dass seine Diplome auch hier Gültigkeit haben. Egzon Lataj lebt seit fünf Jahren hier, spricht gut Deutsch und hat seine Traumstelle als Logistiker bei einer Firma für Natursteine gefunden.

Solche Erfolgsgeschichten sind leider selten. Die Mitarbeitenden von AGATHU kennen viele Geflüchtete, meist junge Männer, die gerne arbeiten würden, aber keine Stelle finden. Stattdessen sitzen sie seit Jahren untätig herum, warten und müssen sich den Lebensunterhalt vom Staat bezahlen lassen. Man rechnet mit 25`000 Franken pro Person pro Jahr. Ein höchst unbefriedigender Zustand, sowohl für die Betroffenen, die gerne von der Sozialhilfe unabhängig würden, als auch für die Gesellschaft, die das Potential ungenutzt lässt und erst noch bezahlt. Der Staat kann das Seine zu einer Verbesserung der Situation beitragen. Der Kanton Thurgau hat die Peregrina-Stiftung mit der Begleitung der längerfristig hier bleibenden Geflüchteten betraut und fortschrittliche Integrationsangebote geschaffen, aber der Staat kann nicht alles lösen. Hier sind insbesondere die Arbeitgeber gefragt. Darum hat AGATHU zusammen mit Wirtschaftsvertretern ein neues Projekt gestartet. Geflüchtete, die vorübergehend oder für immer in der Schweiz aufgenommen wurden, können sich nun mit ihren Berufswünschen und Qualifikationen auf der Website von ida.agathu.ch vorstellen. Und die Arbeitgeber können auswählen, wer in ihr Unternehmen passen könnte. Geflüchtete dürfen drei Monate nach ihrer Registrierung in der Schweiz eine Arbeit aufnehmen, allerdings unter Auflagen, z.B. ausländerpolitischer Art.

Jedem seinen geeigneten Weg
Unsere Gesellschaft braucht gut ausgebildete, qualifizierte Berufsleute. Interessenten für Stellen mit geringen Anforderungen gibt es mehr als genügend. Darum sollen die Geflüchteten, sofern sie das Potential dazu haben, eine Ausbildung absolvieren. Das ist ein langer Weg, braucht ausreichende Deutschkenntnisse und manchmal auch Überzeugungsarbeit. Aber längerfristig wird er sich für Geflüchtete wie auch für die Gesellschaft lohnen. Berufserkundigungen und Praktika sind für beide Seiten ein guter Einstieg. So hat z.B. der kantonale Integrationskurs neben wöchentlich vier Tagen Unterricht den Freitag für Praktika reserviert.

Coaches begleiten die Migranten
Geht es um mehr als Berufserkundigungen so ist der bürokratischen Aufwand für potentielle Arbeitgeber zur Zeit noch gross. Um ihn in Grenzen zu halten, stellt das Projektteam von „IdA“ den Geflüchteten einen Coach zur Seite. Er berät den Arbeitssuchenden, spricht mit der zuständigen Gemeinde, entscheidet nur bei Geeigneten zur Aufnahme in die Plattform, stellt ihn dem Arbeitgeber vor, begleitet ihn längerfristig und hilft der Firma, den administrativen Aufwand zu erledigen.

Arbeitgeber, die sich für den Einsatz eines Geflüchteten interessieren, finden solche mit Wort und Bild auf der Website ida.agathu.ch und können sich über diese an den zuständigen Coach wenden. Arbeitgeber werden zudem von den einzelnen Verbänden wie Industrie und Handelskammer IHK sowie Gewerbeverband Thurgau direkt über die Initiative informiert.

 


Die Pressemitteilung kann hier als PDF heruntergeladen werden: IdA-Pressemitteilung-9.1.18